FIXIERTE KNIESCHEIBE (PATELLAFIXATION)
Übersetzt aus Phryso März 2003 - Text: Joca van der Veen, Tierarzt
Bau
Die Kniegelenke von Pferden sehen anders aus als die des Menschen. Da Pferde von Natur aus Fluchttiere sind, müssen sie immer
bereit sein, vor der Gefahr wegzulaufen. Meistens sieht man Pferde und Ponys dann auch nicht lange flach daliegen. Um
doch ausruhen zu können, haben Pferde spezielle Kniegelenke, die dafür sorgen, dass sie im Stehen ausruhen können. Die Hinterbeine
eines Pferdes können nämlich „fixiert“ werden. Wenn ein Bein fixiert ist, kostet es das Pferd keine Anstrengung (also keine
Energie), um gerade auf dem Bein stehen zu bleiben. Während das eine Hinterbein fixiert steht, wird das andere Hinterbein in
Ruheposition gesetzt. Nur die Hinterbeine können fixiert werden.
Ein Pferd, das sich „in Ruheposition“ befindet, hebt ein Hinterbein ein bisschen hoch, wobei die Vorderseite des Hufs den Boden
berührt, die Hinterseite jedoch nicht. Ein Pferd, das steht, hat das andere Bein fixiert. Das ist also vollkommen normal.
Wie funktioniert das Fixieren?
Genau wie der Mensch hat das Pferd eine Kniescheibe, die auch Patella genannt wird. Die Kniescheibe sitzt in einer Sehne, der
Kniesehne, sowohl bei Menschen als auch bei Pferden, die durch eine Art Rinne im Knochen vom Oberschenkelbein hin und hergleiten
kann. Das Spezielle bei Pferden ist unter anderem, dass die Kniesehne unter der Kniescheibe hindurchläuft wie drei Kniebänder anstelle
von einem beim Menschen. Daneben haben Pferde auf der Innerseite des Oberschenkelbeins eine Knochenausstülpung (welche
Menschen nicht haben). Ihr Pferd oder Pony kann die Kniescheibe über diese Knochenausstülpung ziehen und darüber einhaken,
womit das Knie fixiert wird. Wenn das Bein fixiert steht, können das Kniegelenk und das Sprunggelenk nicht gebeugt werden. Die
Kniescheibe kann auch wieder sehr leicht von dieser Ausstülpung runtergezogen werden, so dass das Pferd wieder laufen kann. So
verläuft es normalerweise bei Pferden und Ponys.
Festgesetzt
Bei Pferden, bei denen das Knie fixiert ist, bleibt die Kniescheibe hinter der Knochenausstülpung eingehakt und zwar zu einem
Zeitpunkt, zu dem dies nicht beabsichtigt ist, z.B. beim Laufen.
Dies ist sehr unangenehm, da in einem solchen Moment das Bein nicht mehr gebeugt werden kann.
Es gibt zwei Arten eines festsitzenden Knies: das bleibende, das auch stationär genannt wird, und das habituelle, wobei das Knie
z.B. beim Laufen ab und zu eingehakt bleibt. Bei der stationären Patellafixation ist das Bein völlig fixiert, so dass Ihr Pferd oder Pony
stocksteif still steht oder mit großen Schwierigkeiten bei gestreckt gehaltenem Hinterbein läuft. Bei der habituellen (gelegentlichen)
Patellafixation bleibt die Kniescheibe beim Laufen jeweils einen Augenblick hinter der Knochenausstülpung eingehakt, gleitet
jedoch auch wieder schnell mit einem Ruck zurück. Dies können Sie sehen oder beim Reiten als eine unangenehme ruckartige
Bewegung im Hinterbein fühlen.
Wie sieht es aus
Wenn bei einem Pferd ein Bein völlig fixiert ist, gibt es keine Bewegung mehr in dem Bein. Das Kniegelenk und das Sprunggelenk können
nicht gebeugt werden und das Pferd steht mit einem nach hinten gestreckten Hinterbein da. Wenn ein Pferd dennoch versucht zu
laufen, geschieht dies mit einem gestreckten Bein, das seitlich gehalten wird, wobei die Zehe des Hufes über den Boden nachgeschleift
wird. Manchmal schießt die Kniescheibe mit einem knackenden Geräusch wieder von der Knochenausstülpung ab. Hiernach kann das
Pferd wieder weiterlaufen. Nach einigen Schritten schießt das Knie manchmal wieder so vor, so dass es festsitzt.
Ein Pferd oder Pony, das beim Laufen eine eingehakte Kniescheibe hat, zeigt von Zeit zu Zeit eine ruckartige Bewegung des Hinterbeins,
wobei die Kniescheibe manchmal mit einem knackenden Geräusch losschießt.
Häufig sieht man das vor allem bei jungen Pferden (1-2jährig), die groß und schwach bemuskelt sind. Das kann bei jungen Pferden,
die nicht im Training sind und noch schwach sind, vorkommen. Oft wird das regelmäßig bei Pferden beobachtet, die in guter Kondition
sind und plötzlich nicht mehr bewegt werden.
Pferde mit einem steilen Stand der Hinterhand haben öfter Probleme mit Patellefixation/einem fixierten Knie. Ponys
scheinen es häufiger zu haben als Pferde, v.a. Shetland Ponys haben oft Probleme mit einer eingehakten Kniescheibe.
Die Kniebänder können sich auch durch einen Unfall, wie ausrutschen, überdehnen. Wenn die Kniebänder schwach sind, kann die
Kniescheibe leichter festhaken.
Das ab zu auftretende Einhaken der Kniescheibe beim Laufen geschieht vor allem bei der Durchführung kleiner Wendungen
auf kleinen Volten zu einer Seite des „schwachen“ Beins. Dies kann also auch im Stall passieren. Weiterhin tritt es auch beim
Rückwärtsrichten des Pferdes auf. Beim Trab wird das Bein oft nicht ausreichend gebogen und nicht ausreihend weit nach vorne
gebracht.
Lösung
Wenn ein Pferd oder Pony plötzlich mit einem fixierten Knie dasteht, kann versucht werden, ihm zu helfen, indem das Tier
einen kleinen Schritt nach hinten gerichtet wird. Oft schießt die Kniescheibe dann los. Das Bein kann auch durch eine plötzliche
Schreckbewegung wieder losgelöst werden. Danach kann (durch den Tierarzt) versucht werden, mit der Hand die Kniescheibe wieder
auf den richtigen Platz zu schieben. Bei Pferden und Ponys, bei denen die Kniescheibe beim Laufen ab
und zu festhakt, kann dies durch Training verbessert werden.
Es ist wichtig, das Pferd vor allem geradeaus zu reiten. Kleine Volten und Longieren sind nicht förderlich für die angegriffenen Knie.
Meistens verschwindet das Problem, wenn das Pferd in eine bessere Kondition kommt. Durch das Training werden die Muskeln stärker,
und die Kniesehne (mit Kniescheibe) sitzt strammer in der Rinne. Entsprechendes Ausschneiden und Beschlagen hilft auch oft. Es
ist also ratsam, auch den Schmied bei einem Pferd oder Pony, welches regelmäßig mit fixiertem Knie dasteht oder bei dem das
Knie festhakt, einzuschalten.
Tierarzt
Wenn es nicht gelingt, das Knie Ihres Pferdes oder Ponys von seiner Fixierung zu befreien, muss der Tierarzt gerufen werden. Der
Tierarzt kann die Kniescheibe wieder auf den rechten Platz bringen. Wenn das Knie sehr oft festsitzt und Training keine Verbesserung
bringt, kann es notwendig werden, operativ einzugreifen und z.B. ein Knieband durchschneiden zu lassen. Selbstverständlich ist
es das beste, zuerst mit Training, entsprechendem Ausschneiden und dergleichen zu versuchen, das Problem zu lösen.
Kurz Pferde und Ponys könne Probleme mit einen Knie haben, das „fixiert“ ist; dies wird auch Patellafixation genannt. Das Pferd kann
dann mit einem nach hinten gestreckten Hinterbein stehen, das manchmal mit einem Ruck wieder losschießt. Auch kann beim
Laufen die Kniescheibe regelmäßig festhaken, wodurch die Bewegung der Hinterbein ruckartig ist. Oft wird dies bei jungen Pferden
und Ponys beobachtet, die steile Hinterbeine haben und noch wenig bemuskelt sind. Mit Training und eventuell angepasstem
Ausschneiden der Hufe, geht es oft besser. Manchmal ist es notwendig, dass der Tierarzt eingreift.
© JOCA VAN DER VEEN, TIERARZT